Diskriminierung ist oft mehrdimensional

Seit 2009 wird der Transgender Day of Visibility jährlich am 31. März begangen. Dieser Tag soll ein Gegengewicht zu dem Erinnerungstag für ermordeten Trans*menschen – Transgender Day of Remembrance – darstellen. Auch der Transgender Day of Visibility nahm in Michigan seinen Startpunkt und wird mittlerweile rund um die Welt gefeiert. An diesem Tag wollen alle Menschen zusammen geschlechtliche Vielfalt feiern und damit zum einen diese sichtbar machen und zum anderen Sensibilisieren.

Hannah Truslen
Hannah Truslen

Anlässlich des diesjährigen Transgender Day of Visibility erklärt die stellvertretende Landesvorsitzende der NRWSPDqueer Hannah Trulsen:

Ein Jahr Pandemie. Vor einem Jahr konnten wir uns das nicht vorstellen. Das gesellschaftliche Leben steht weitestgehend still – was aktuell auch unerlässlich und richtig ist. Die Sichtbarkeit von Trans*menschen findet nicht mehr so statt, wie viele sich das wünschen würden: Theater, Kinos und andere Räume von, auch queerer, Kunst sind geschlossen. Alles dreht sich um Covid-19, Impfstoffe und Mutationen. Daher sollten wir diesen Tag, den Transgender Day of Visibility, nutzen und auf das Leben von Trans+menschen in der aktuellen Situation aufmerksam machen: Diskriminierung, egal ob im privaten oder öffentlichen Raum, ist oft mehrdimensional!


(Junge) TranS+menschen sind in familiären Kontexten gezwungen sich selbst zu verleugnen und das mit einem hohen Leidensdruck, was nicht nur mit dem Alter, sondern auch u. a. mit Herkunft, finanziellen Ressourcen oder dem religiösen Hintergrund zusammenhängt. Der Zugang zu medizinischer Versorgung ist erschwert, der den oben beschriebenen Leidensdruck erhöht.

Leider wird auch immer wieder ein verzerrtes Bild von Trans*menschen gezeigt, die Identität wird zu einem Fetisch stilisiert. Zuletzt konnten wir dies im Tatort sehen. Eine öffentliche Debatte dazu, aber der viel wichtigere Diskurs innerhalb der Trans*communities, kann gar nicht oder nur sehr eingeschränkt stattfinden. Es würde gerade der ARD gut zu Gesicht stehen dieses Thema selbst auf die Tagesordnung zu setzen und eine Debatte der Wahrnehmung von Trans*menschen im deutschen öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu initiieren. Dabei sollten aber vor allem Trans*menschen zu Wort kommen und nicht über sie gesprochen werden. Auch die Vielfältigkeit von Trans*menschen sollte in dieser Debatte abgebildet werden, denn Diskriminierung ist mehrdimensional und das sollten wir endlich anerkennen und ernstnehmen.


Die Chaos-Truppe um Ministerpräsident Laschet nimmt das Thema nicht ernst, denn das langversprochene Diversity-Management-Konzept für die Landesregierung als Arbeitergeberin liegt bis heute nicht vor. Die Gleichstellungsministerin Ina Scharrenbach scheint zu beschäftigt mit der Vergangenheit und einerRömerausstellung in Köln.

In und nach der Pandemie: Queere Strukturen und Jugendarbeit nachhaltig stärken!

Seit 1998 besteht das queere Jugendzentrum anyway in Köln. Die Corona-Pandemie traf die größte Einrichtung Europas dieser Art hart. So fehlten rund 31.500€, die das anyway in Folge der Schutzmaßnahmen nicht an Eigenmittel erwirtschaften konnte. Durch eine von breiten Teilen der Community getragenen Spendenaktion wurde diese Finanzlücke aufgefangen. Die Situation des Jugendzentrums anyway macht jedoch deutlich, wie anfällig queere Community-Strukturen insbesondere in der Pandemie sind. Diese Strukturen leisten wichtige Arbeit. Sie und die queere Jugendarbeit müssen nachhaltig gestärkt werden.

Fabian Spies, Foto: Gerd P. Müller / NRWSPD

Hierzu erklärt der Landesvorsitzende der NRWSPDqueer, Fabian Spies:

Als NRWSPDqueer freuen wir uns natürlich sehr, dass durch die Solidarität der Community, die Finanzlücke des queeren Jugendzentrums anyway geschlossen werden konnte.

Ein Blick auf die Arbeit des anyway macht deutlich, dass dieses auch nach der Pandemie weiter gestärkt werden muss. Angefangen als schwul-lesbisches Jugendangebot gibt es das anyway nun seit über 20 Jahren. Dabei hat sich mittlerweile die Zielgruppe stark vergrößert: LSBTIQ*-Jugendliche, Geflüchtete, Jugendliche mit Migrationsgeschichte etc. Aber auch die Anzahl der Angebote und Projekte ist angewachsen. Damit verbunden ist auch ein gestiegener Verwaltungsaufwand. Mittelfristig bedarf es hier unser Auffassung daher einer besseren personellen Förderung der Geschäftsführung und Verwaltung.

Dies gilt jedoch nicht nur für das anyway. Die Corona-Pandemie zeigt, wie fragil queere Strukturen sind: Beratungsangebote für LSBTIQ* können nicht oder nur eingeschränkt stattfinden. Vereine und Verbände, die von öffentlichen Mitteln abhängen, geraten unter Druck. Safe Spaces wie Bars, Clubs oder Saunen droht das aus. Hier droht ein nie dagewesener Kahlschlag der queeren Infrastruktur, der auf Dauer nicht durch Spenden aus der Community aufgefangen werden kann und unbedingt verhindert werden muss.

Es braucht daher unmittelbare Maßnahmen zum Erhalt queerer Strukturen, aber auch langfristiger politischer Entscheidungen, um die Krisenfestigkeit der queeren Infrastruktur zu sichern. Nach der Pandemie dürfen diese nicht dem Rotstift zum Opfer fallen, sondern müssen nachhaltig gestärkt werden.

Sascha Roncevic
Sascha Roncevic – Foto: Sarah Ungar

Der stellvertretende Landesvorsitzende der und jugendpolitischer Sprecher der NRWSPDqueer, Sascha Roncevic, ergänzt:

Jugendliche leiden unter der Pandemie. Dennoch werden ihre Bedürfnisse kaum berücksichtigt. Dies gilt im besonderen Maße für queere Jugendliche. Umso wichtiger ist es, die queere Jugendarbeit weiter zu stärken. Egal ob, ehrenamtlicher Jugendtreff oder hauptamtliches Jugendzentrum – diese Angebote leisten nicht nur unersetzliche Aufklärungs- und sozial-pädagogische Arbeit, sondern sind auch oft auch die einzige Lobby queerer Jugendlicher.

Während bei jeder Lockerung der Infektionsschutzmaßnahmen immer wieder kalkulierte Risiken in bestimmten Gesellschaftsbereichen eingegangen werden, wird der Fokus bei Jugendlichen von der Landesregierung nur auf die Schule gelegt. Dies spiegelt jedoch nicht alleine die Lebenswirklichkeit von jungen Menschen wider. Gerade für junge LSBTIQ* kann die Schule ein Ort von Ausgrenzung und Gewalterfahrung sein. Daher müssen Freiräume für junge Menschen im Allgemeinen und „Safe Space“-Angebote für junge LSBTIQ* im Speziellen in diesem Zusammenhang stärker priorisiert werden Aber auch nach der Pandemie gilt es queere Jugendarbeit krisensicher zumachen. Zahlreiche Mittel müssen jährlich erneut als Förderung beantragt werden, obwohl sie seit Jahren etabliert sind. Dabei gehören sie als Rückgrat der LSBTIQ* Jugendarbeit in die Regelförderung. Queere Jugendarbeit ist dabei ein fester Bestandteil queerer Community-Strukturen. Diese sind kein Selbstzweck, sondern ein solidarisches Netzwerk, das über Jahrzehnte gewachsen ist und LSBTIQ* Schutz und Unterstützung gewährt!

Zum Internationalen Frauentag 2021: Sichtbarkeit lesbischer Frauen wichtiger denn je!

Weltweit bekämpfen Rechtspopulisten und Chauvinisten Frauenrechte. Frauen werden beleidigt, erniedrigt, diskriminiert, verletzt und ermordet. Diese Rechtspopulisten stellen Frauenrechte in Abrede – auch in Deutschland. Es sind dieselben Rechtspopulisten, die LSBTIQ*-feindlich hetzen und dabei versuchen, auf dem Rücken von Minderheiten Stimmung zu machen.

Seit 1911 steht der Internationale Frauentag für die Forderung von sozialer und politischer Gleichberechtigung aller Frauen, 1977 wurde der 8. März auch offiziell von den Vereinten Nationen als Weltfrauentag für die Rechte der Frau erklärt. Aus Sicht der NRWSPDqueer ist dieser Tag (auch für LSBTIQ*) noch immer wichtig:

Trotz Frauenwahlrecht, Gleichberechtigung laut Grundgesetz und großer Fortschritte in der gesellschaftlichen Akzeptanz, bleibt der Internationale Frauentag auch in Deutschland wichtig: Solange Frauen im Schnitt 22 Prozent weniger Gehalt bekommen als Männer. Solange Deutschland zu den Schlusslichtern gehört, was die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen an Führungspositionen anbelangt. Solange Familie und Beruf in Deutschland kaum vereinbar sind ohne Karriereeinbußen. Solange wir uns in Deutschland noch ernsthaft für eine Sexismus-Debatte verteidigen müssen. Solange sollten wir selbstbewusst und laut den Frauentag besonders feiern und die Forderungen bekräftigen.

Dabei dürfen gerade lesbische Frauen nicht fehlen. Immer noch sind sie sowohl in der schwul-dominierten queeren Szene, als auch in der Frauenbewegung „unsichtbar“. Frauenfeindlichkeit und LSBTIQ*-Feindlichkeit sind oftmals zwei Seiten derselben Medaille. Daher ist es unsere feste Überzeugung als queere Sozialdemokrat*innen, dass die Sichtbarkeit von Lesben in unserer pluralen Gesellschaft weiter gefördert werden muss, um Diskriminierung und Hetze durch rechte Kräfte sowohl gegen Frauen als auch gegen LSBTIQ* entgegen zu wirken!

Homophobie a la Liminski darf weder Platz in NRW noch in dessen Staatskanzlei haben!

Ministerpräsident und CDU-Bundesvorsitzender Armin Laschet gibt sich gerne weltoffen und tolerant. Einer seiner engsten Vertrauten, der Leiter der NRW-Staatskanzlei, Nathanael Liminski hingegen ist Teil der erzkonservativen und fundamental-christlichen Rollback-Bewegung, die gegen die Gleichstellung von Frauen, geschlechtliche Selbstbestimmung und Homosexuelle agiert. So sagte er etwa 2007 ein einem Spiegel-Interview: „Ich kenne viele Homosexuelle, und einige tun mir leid. Der Staat muss schon aus reiner Selbsterhaltung die natürliche Form der Ehe und Familie fördern.“

Liminski ist dabei für Laschet ein wichtiger Strippenzieher im Hintergrund, der so enormen Einfluss auf den neuen Bundesvorsitzenden der CDU nimmt und eine Brücke in die erzkonservative Werteunion schlägt. Die NRWSPDqueer fordert Ministerpräsident Laschet auf, sich klar von Liminski und dessen rückwärtsgewandten Weltbild zu distanzieren.

Hierzu erklärt der Landesvorsitzende der NRWSPDqueer, Fabian Spies:

Mit seiner Nähe zu Nathanael Liminski, der als Staatssekretär die Staatskanzlei leitet, begibt sich Armin Laschet in einen gefährlichen Einfluss der erzkonservativen und fundamental-christlichen Rechten. Diese ist ein aktiver Teil einer frauenfeindliche, homophoben und rückwärtsgewandten Rollback-Bewegung. Nach außen gibt Armin Laschet gerne den weltoffenen und toleranten Landesvater. Um der Macht willen sucht er jedoch Nähe zu Menschen wie Liminski und dessen Ideologie von Ausgrenzung, Hass und Spaltung.

Damit spielt Armin Laschet mit dem Feuer, wie etwa der Blick nach Amerika zeigt, wo Ex-Präsident Trump ebenfalls auf die Unterstützung ultra-religiöser Gruppen setzte. Hinzu kommt: Das aktuelle Chaos der Landesregierung macht deutlich, wo Laschet seine Ambitionen sieht. Je mehr er auf Berlin schielt, um so stärker ist Liminskis Einfluss als Chef der Staatskanzlei in NRW.

Als NRWSPDqueer fordern wir Ministerpräsident Armin Laschet auf, Farbe zu bekennen und sich von Nathanael Liminski und dessen Umfeld deutlich zu distanzieren. Homophobie a la Liminski darf weder Platz in NRW noch in dessen Staatskanzlei haben!

Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus:
Aus Geschichte lernen und Kurs gegen Hetzer, Populisten und Verschwörungstheoretiker halten!

Seit 1996 wird am 27. Januar an die Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Neben den Millionen ermordeten Jüd*innen sind dies auch Euthanasieopfer, Sinti und Roma, Kommunist*innen, Sozialdemokrat*innen und Homosexuelle. Historischer Hintergrund ist die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar 1945. Angesichts eines erstarkenden Rechtspopulismus und -extremismus ist dieser Gedenktag für die NRWSPDqueer mehr denn je auch eine Mahnung, für unser vielfältige Demokratie einzutreten und erkämpfte Fortschritte zu verteidigen.

Orientierung für die Zukunft braucht Gedenken. Gerade in der heutigen Zeit und mitten in der Corona-Pandie scheint eine solche klare Orientierung wichtiger denn je. Wo Hetzer, Populisten und Verschwörungstheoretiker mit Fake-News und „alternativen“ Fakten punkten und die Sprache und Inhalte der Täter von Auschwitz wieder salonfähig machen wollen, ist ein deutliches Dagegenhalten, umso wichtiger. Wir queeren Sozialdemokrat*innen zeigen daher klar Haltung: gegen Hetze, Menschenfeindlichkeit sowie gegen Homo-, Bi- und Trans*-Feindlichkeit.

Sascha Roncevic
Sascha Roncevic – Foto: Sarah Ungar

Hierzu erklärt der stellvertretende Landesvorsitzende Sascha Roncevic:

Terror, Erniedrigung, Folter –  für all dies steht Auschwitz. Es ist ein Synonym staatlich legitimierter und durchgeführter Vernichtung. Homosexuelle Opfer des Nationalsozialismus wurden nicht nur totgeschlagen; sie wurden auch totgeschwiegen. Begangenes Unrecht reichte dabei etwa in Form des verschärften §175 noch weit über die Nazi-Herrschaft hinaus. Auschwitz ist ein Extremum in der perfiden Macht- und Herrschaftsbesessenheit von Menschen über andere. Diese Begierde wurde konsequent und wider aller Menschlichkeit umgesetzt. Nazideutschland ist inzwischen Geschichte. Aber die Begierde ist es leider nicht

In der heutigen Zeit sind es Populisten, extreme Rechte und Verschwörungstheretiker, die auf perfide Art gemeinsam versuchen Homosexualität in die Nähe von Pädophile zu rücken oder Trans*-Identitäten als „Gender-GaGa“ zu verspotten. Genau diese Demütigungen, Anfeindungen, Verleumdungen und Ausgrenzungen ebnen jener Menschenverachtung und Gewalt den Weg, die in Auschwitz gipfelte. Es liegt an uns allen, aus der Geschichte zu lernen und den Kurs gegen Hetzer, Populisten und Verschwörungstheoretiker zu halten!

Landesregierung stuft schwule Saunen weiterhin als Prostitutionsstätten und Bordellen ähnlich ein – NRWSPDqueer fordert Umdenken und Rechtssicherheit für Betreiber

Im Zuge der Corona-Schutzverordnungen wurde deutlich, dass die schwarz-gelbe Landesregierung schwulen Saunen als Prostitutionsstätten und Bordellen ähnlich ansieht. Dies ging auch aus zwei Nachfrage des SPD-Landtagsabgeordneten Frank Müller an den zuständigen Gesundheitsminister Karl-Josef Launmann (CDU) hervor. Dabei blieb Minister Laumann auch auf explizite Nachfrage bei dieser Gleichsetzung.

Die NRWSPDqueer widerspricht dieser Auffassung deutlich. Statt einer Stigmatisierung durch die Landesregierung brauchen schwule Saunen als Safe Spaces und Teil von gewachsen Community-Strukturen Unterstützung und Rechtssicherheit.

Fabian Spies,
Foto: Gerd P. Müller / NRWSPD

Hierzu erklärt der Landesvorsitzende der NRWSPDqueer, Fabian Spies:

In der Krise zeigt sich nicht nur der Charakter, sondern oft auch die Gesinnung. Neben dem chaotischen Zickzack-Kurs in der Corona-Politik, wird in den Pandemie-Zeiten durch die Antworten von Minister Laumann deutlich, welche wirklichkeitsfremden und diskriminierenden Vorstellungen in den Köpfen der schwarz-gelben Landesregierung verankert zu sein scheinen.

Als NRWSPDqueer fordern wir die Landesregierung und Minister Laumann zum Umdenken auf. Auch wenn es ihren Vorstellungen widerspricht: schwule Saunen sind keine Bordelle! Als Safe Spaces sind sie Orte, an denen sich LSBTIQ*-Personen sicher vor Gewalt und Diskriminierung bewegen und frei entfalten können. Zu ihnen gehören nicht nur Versammlungs- und Beratungsräume in queeren Vereinen, sondern auch Clubs, Bars, Kinos und eben Saunen. Schwule Saunen sind Teil queerer Community-Strukturen. Hier finden unabhängig von sexuellen Handlungen soziale Begegnungen aber auch Aufklärungsarbeit, etwa durch die Aids-Hilfen, statt. Diese Strukturen sind kein Selbstzweck, sondern ein solidarisches Netzwerk, das über Jahrzehnte gewachsen ist und LSBTIQ* Schutz und Unterstützung gewährt. Statt schwule Saunen durch schwammige Gleichsetzungen zu stigmatisieren, sollte die Landesregierung sie in ihrer Bedeutung als Community-Struktur unterstützen und für Rechtssicherheit sorgen!

Immerhin konnte der SPD-Abgeordnete Frank Müller durch sein Engagement erreichen, dass örtliche Behörden bei etwaigen Lockerungen nun den Spielraum besitzen, „unter Berücksichtigung der besonderen Umstände des Einzelfalls“ zu entscheiden, ob ein schwule Sauna nicht als bordell-ähnlicher Betrieb anzusehen ist. So aber fehlt es Saunabetreibern nicht nur an Rechtssicherheit, auch an der diskriminierenden Haltung der Landesregierung ändert dieses Zugeständnis nichts.

Elfi Scho-Antwerpes wird mit der Ehrennadel der NRWSPDqueer ausgezeichnet.

Elfi Sho-Antwerpes Foto: NRWSPD

Die ehemalige Bundestagsabgeordnete und erste Bürgermeisterin der Stadt Köln, Elfi Scho-Antwerpes wird im Rahmen des Welt-Aids-Tags 2020 mit der Ehrennadel der NRWSPDqueer ausgezeichnet. Hierbei handelt es sich um die höchste Auszeichnung, die die Landesarbeitsgemeinschaft der NRWSPD vergibt. Aufgrund der aktuellen Corona-Schutzmaßnahmen kann eine Übergabe der Nadel vor Publikum nicht stattfinden. Stattdessen wird in Rahmen der Preisverleihung ein Video veröffentlicht. Die Laudatio hält der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Dr. Rolf Mützenich, MdB.

Das Video ist am 1. Dezember 2020 ab 10 Uhr unter folgenden Link aufrufbar:
https://youtu.be/RPaqwvy_aQQ

Die Arbeitsgemeinschaft für Akzeptanz und Gleichstellung in der NRWSPD (NRWSPDqueer) würdigt dabei Scho-Antwerpes‘ langjähriges Engagement bei der Aids-Hilfe Köln und in der SPDqueer. Besonders in ihrer Amtszeit als Bürgermeisterin der Stadt Köln sowie als Bundestagsabgeordnete hat sich Elfi Scho-Antwerpes leidenschaftlich und erfolgreich für die Sache der LSBTIQ*-Bewegung innerhalb wie außerhalb der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands eingesetzt. Dafür spricht Dir die NRWSPDqueer, die Landesarbeitsgemeinschaft in der SPD für Akzeptanz und Gleichstellung, mit der Ehrennadel Dank und Anerkennung aus.

Die Preisverleihung findet im Rahmen des diesjährigen Welt-Aids-Tags statt. Daher verbindet der Landesvorsitzende Fabian Spies die Übergabe der Ehrennadel im Namen des gesamten Vorstandes mit der Bitte um Spenden für die lokalen Aids-Hilfen. Auch diese von der aktuellen Corona-Situation betroffen und können den Gedenktag nur eingeschränkt für das Sammeln von Spenden nutzen.

Alter und Vielfalt sind Zukunftsthemen – Fachberatung für gleichgeschlechtliche Lebensweisen in der offenen Senior_innenarbeit muss weiter gefördert werden!

Oliver Leist

Seit 2011 ist die die Landesfachberatung für gleichgeschlechtliche Lebensweisen in der offenen Senior_innenarbeit unter dem Label „Immer dabei“ aktiv. Dabei wurde sie unter Ministerpräsidentin Hannelore Kraft durch das Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter und nach dessen Auflösung durch das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert. Das von CDU-Minister Karl-Josef Laumann geführte Ministerium will nun die Förderung auslaufen lassen.

Hier zu kommentiert Oliver Leist, stellv. Landesvorsitzender und Senior*innen-politischer Sprecher der NRWSPDqueer :

Die Landesfachberatung für gleichgeschlechtliche Lebensweisen in der offenen Senior_innenarbeit hat in den zurückliegenden Jahren eine vielseitige und erfolgreiche Arbeit geleistet. Dazu zählten unter anderem die Förderung von Sichtbarkeit von älteren LSBT, Informationen über kultursensible Pflege, aber auch Fortbildungen und Quartiersentwicklung. Für uns als NRWSPDqueer ist es daher  nicht begreiflich, dass das CDU-geführte Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales, eine weiter Förderung dieser wichtigen Arbeit ablehnt.

Nach drei Projektlaufzeiten stehe laut Argumentation des Ministeriums keine Anschlussförderung mehr an. Zudem sieht es das Themenfeld von LSBT-Senior*innen nicht in seinen Zuständigkeitsbereich und verweist auf das FDP-geführte Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration. Dieses Kompetenz-Wirrwarr wirkt besonders grotesk, wenn man berücksichtigt, dass Minister Laumann erst am 28.09.2020 den 2. Altenbericht vorgestellt hat. Dort heißt es, in Nordrhein-Westfalen orientiere sich eine qualitätsorientierte Altenpolitik an der Vielfalt im Alter. Und perspektivisch werde es auch darum gehen, den Fokus auf trans*-, inter* und queere Menschen im Alter zu richten.

Egal ob in Zuständigkeit von CDU-Minister Laumann oder seinem FDP-Kollegen Stamp, LSBT-Senior*innen-Arbeit, muss las Querschnittsaufgabe von gesamte Landesregierung hinreichen gefördert werden. Sie ist nicht nur in Zeiten von Corona für viele LSBT-Senior*innen essentiell. Alter und Vielfalt sind Zukunftsthemen, die nicht dem Rotstift zum Opfer fallen dürfen!

NRWSPDqueer unterstützt die Kandidaturen von Sascha Roncevic und Sarah Ungar für den Bundesvorstand der SPDqueer

Der Vorstand der NRWSPDqueer hat auf seiner letzten Sitzung Sascha Roncevic für das Amt des Bundesvorsitzenden und Sarah Ungar für das Amt der stellvertretenden Bundesvorsitzenden der SPDqueer (Arbeitsgemeinschaft für Akzeptanz und Gleichstellung in der SPD) nominiert. Beide sind bereits Mitglied des Bundesvorstands und wurden für eine weitere Amtszeit nominiert.

Fabian Spies, Foto: Gerd P. Müller / NRWSPD

Hierzu erklärt der Landesvorsitzende der NRWSPDqueer, Fabian Spies:

Sascha Roncevic und Sarah Ungar haben in den zurückliegenden zwei Jahren gute und wertvolle Arbeit im Bundesvorstand geleistet. Als Vorsitzender der NRWSPDqueer freue ich mich, dass sich  erneut für den Bundesvorstand bewerben.

Somit kandidieren zwei Mitglieder unseres Landesverbandes für die Bundesebene. Sascha Roncevic hat in den zurückliegenden Jahren nicht nur die Öffentlichkeitsarbeit der SPDqueer im Bund koordiniert und ausgebaut. Auch die inhaltliche Arbeit zeichnete sein Wirken aus. So hat er immer wieder Impulse gesetzt sowie Themen aufgegriffen und diese voran getrieben. Er hat damit gezeigt, dass er für das Amt des Bundesvorsitzenden unserer Arbeitsgemeinschaft bestens geeignet ist.

Sarah Ungar gehört dem Bundesvorstand seit 2018 an. Neben ihrem Fachwissen insbesondere an der Schnittstelle zwischen Queerpolitik und Arbeitswelt sowie bei trans* und inter* Themen konnte sie ihr Organisationstalent unter Beweis stellen und auch ein gutausgebautes Netzwerk mitbringen. Dies wird den Bundesvorstand auch in der zukünftigen Amtsperiode sehr bereichern.

Als Landesverband unterstützen wir die Kandidaturen von Sascha Roncevic und Sarah Ungar. Für ihre Wahl in Oktober wünschen wir viel Erfolg!

Sascha Ronecvic (Foto: SPDqueer)
Sarah Ungar (Foto: SPDqueer)

Corona-Schutz ja, aber Diskriminierung nein! – Schwarz-gelbe Landesregierung rückt schwule Saunen in die Nähe von Prostitution und Bordellbetrieben

Die aktuelle Corona-Schutzverordnung vom 31.08.2020 verbietet „sexuelle Dienstleistungen in und außerhalb von Prostitutionsstätten, Bordellen und ähnlichen Einrichtungen.“ Der Betrieb von Betrieb von Schwimmbädern, Saunen und vergleichbaren Wellness-Einrichtungen ist unter Einhaltung bestimmter Hygiene- und Infektionsschutzstandards jedoch ausdrücklich erlaubt.

Hierauf bezugnehmend haben einige schwule Saunen teils auswendige Umbauarbeiten vorgenommen, um nur noch ein reines Gastronomie- und Wellnessangebot vorzuhalten. So wurden Cruising-Bereiche nicht nur geschlossen, sondern auch baulich unzugänglich gemacht. Darüber hinaus wurde das Angebot so gestaltet, das sexuellen Handlungen kein Vorschub geleistet wird.

Dennoch lässt die schwarz-gelbe Landesregierung durch seine Verwaltung mitteilen, dass „Männersaunen“ nach der aktuellen Verordnung geschlossen werden müssten, da sie auch mit einem geänderten Angebot und einem den Vorgaben entsprechenden Hygienekonzept Prostitutionsstätten und Bordellen ähneln.

Fabian Spies, Foto: Gerd P. Müller / NRWSPD

Hier zu kommentiert Fabian Spies, Landesvorsitzender der NRWSPDqueer:

Für uns als SPDqueer steht fest: Corona-Schutz ja, aber Diskriminierung nein! Die Schließung von zahlreichen schwulen Saunen ist in der Sache unbegründet und stellt in mehrfacher Hinsicht eine Diskriminierung dar:

Zum einen ist nicht nachvollziehbar, warum nach baulichen Maßnahmen und der Änderung des Angebots der Saunen diese nicht wie andere Wellesseinrichtungen behandelt werden. Hier liegt die Unterstellung zur Grunde, dass es trotzdem zu sexuellen Handlungen kommen würde. Mehr noch: die Landesregierung rückt schwule Saunen in die Nähe von Prostitution und Bordellbetrieben und ordnet diese ähnlichen Einrichtungen zu. Dies sei politisch so gewollt.

Eine weitere Ungleichbehandlung stellen auch heterosexuelle Sex-Kinos oder Sex-Shops mit Kabinen dar. Diese dürfen öffnen, wenn sie ein entsprechendes Hygienekonzept vorweisen und sexuellen Handlungen keinen Vorschub leisten.

Sascha Roncevic
Sascha Roncevic – Foto: Sarah Ungar

Sascha Roncevic, stellvertretender Landesvorsitzender der NRWSPDqueer ergänzt:

Als NRWSPDqueer fordern wir die schwarz-gelbe Regierung Laschet / Stamp auf, die offensichtliche Diskriminierung zu beenden. Auch wenn es ihren Vorstellungen widerspricht: schwule Saunen sind keine Bordelle. Sie sind mehr als reine Orte, an denen Männer sexuell mit Männern verkehren.

Schwule Saunen sind Safe Spaces. Dies sind Orte, an denen sich LSBTIQ*-Personen sicher vor Gewalt und Diskriminierung bewegen und frei entfalten können. Zu ihnen gehören nicht nur Versammlungs- und Beratungsräume in queeren Vereinen, sondern auch Clubs, Bars, Kinos und eben Saunen. Die durch Corona bedingten Schließungen bringen diese Safe-Spaces in Existenznot und ihr Verschwinden ist oft endgültig, da gerade solche Einrichtungen nicht selten der Gentrifizierung und der Verdrängung durch Investoren zum Opfer fallen. Mit viel Kreativität und Engagement haben Betreiber hier Lösungen gefunden, die den Hygiene- und Infektionsschutzstandards genügen und das Überleben der Einrichtungen ermöglichen würden.

Schwule Saunen sind aber auch Teil queer Community-Strukturen. Hier finden unabhängig von sexuellen Handlungen soziale Begegnungen aber auch Aufklärungsarbeit, etwa der Aids-Hilfen, statt. Die Corona-Pandemie offenbart besonders die Verletzlichkeit von Communiy-Strukturen: Es droht ein nie dagewesener Kahlschlag, der unbedingt verhindert werden muss. Denn diese Strukturen sind kein Selbstzweck, sondern ein solidarisches Netzwerk, das über Jahrzehnte gewachsen ist und LSBTIQ* Schutz und Unterstützung gewährt.

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